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Fremdgegangen und was dann?

11. Februar 2005 um 22:51

Hallo an Alle,
brauche dringend Hilfe. Habe im Jahr 2004 den totalen Supergau erlebt.
April:
Mein Hund, der über 10 Jahre immer bei mir war, stirbt an Krebs. Er fehlt mir sehr und ich kann seinen Tod nicht verarbeiten, sondern verdränge.
Juni:
Bekomme den totalen körperlichen Zusammenbruch mit Tinnitus auf beiden Ohren. 3 Monate ununterbrochene Übelkeit und Erbrechen, Tinnitus bleibt.
Juli:
Meine Freundin und Schwester meines Mannes bekommt Krebsdiagnose, fast aussichtslos.
Wir laufen zusammen los. Untersuchungen, Bestrahlungen, Eingriffe - wir stehen alles zusammen durch. Auch im Krankenhaus haben wir zusammen ein Zimmer. In unserem Krankenhaus geht es noch, aber in der Krebsklinik ist es für mich manchmal nahezu unerträglich. Bin nur noch selten zu Hause und für meine Familie nur noch sehr wenig da.
Mitte November:
In der Leber sind Metastasen, Behandlung kann nicht mehr fortgesetzt werden. Verzweiflung.
Ende November:
Nachts klingelt die Polizei bei uns und fragt nach meinem Mann. Ich erfahre, dass mein Mann ein Verhältnis hat und diese Frau sich versucht hat umzubringen. Sie hat Tabletten geschluckt und dann bei meinem Mann angerufen. Der hat anonym die Rettung gerufen und wurde dann von der Polizei ermittelt. Sie wollte erreichen, dass er seine Familie verlässt. Erzählt, er hätte das Sterben seiner Schwester nicht mehr ertragen und ich wäre überhaupt nicht für ihn dagewesen. Da wäre er in das Verhältnis geflüchtet. Er ist ein Verdränger, es passt.
Dezember:
Meine Freundin stirbt. Wir waren die letzten 8 Tage wieder im Krankenhaus. Es war furchtbar. Die letzte Nacht war Minute für Minute ein Kampf. Morgens ist sie ganz leise gestorben.
Ich kann keine Gefühle mehr an mich rankommen lassen. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Ich vermisse sie so sehr und kann mich kaum mit dem Gedanken, dass sie endgültig weg ist beschäftigen.
Meine Ehe ist kaputt. Mein Mann ist durch seinen eigenen Betrug kaputt gegangen. Er kann ihn sich nicht verzeihen.
30 Jahre Ehe und dann auch noch unter diesen Umständen.
Wir finden keinen Weg zueinander und auch nicht voneinander.
Wirtschaftliche Probleme tun ein Übriges.
Zur anderen Frau hat er keinen Kontakt mehr. Sie hat es bis vor einer Woche immer wieder versucht Kontakt zu bekommen.
Ich glaube ihm, dass er an dieser Beziehung nicht mehr interessiert ist. Aber ist auch nicht in der Lage mit mir eine Beziehung zu führen. Emotional völlig kalt und leer.
Kann ein Betrug auf seiten des Untreuen auch eine Beziehung kaputt machen, weil er nicht damit zurecht kommt? Ist es bei uns einfach zu viel? Oder traut er sich nur nicht zu gehen weil es da zuviele Schwierigkeiten gibt?
Der Text ist lange, aber ich hoffe, es liest ihn trotzdem jemand und antwortet mir. Möchte sogerne für 4 Wochen irgendwohin entfliehen. Wenn ich mich aber nur flüchte ohne dort eine Beschäftigung zu haben, halte ich das nicht aus.
Gibt es irgendwo soetwas wie ein "Auffanglager"?
lasassa

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13. Februar 2005 um 15:43

Liebe lasassa,
was du in den letzten monaten durchgemacht hast, ist sagenhaft viel! ich bewundere dich, dass du immer noch einen klaren kopf bewahrt und dich selbst nicht aufgegeben hast, sondern nach einem ausweg suchst!
andere wären daran sicherlich schon zugrunde gegangen und hätten sich planlos gehen lassen!
alle achtung!

ich würde dir gerne beistehen können!
du suchst eine art auffanglager?
warum gehst du nicht ins ausland? in irgendein sonniges(!)land, in dem du dir einen 4-wöchigen aufenthalt in einer möblierten wohnung leisten kannst? vielleicht findest du auch einen vorübergehenden job.
auf diese weise bekommst du abstand und erlebst neue dinge!
mag sein, dass dir diese idee zu gewagt vorkommt, aber denk mal intesniv drüber nach!
ich kenne mittlerweile mehrere, die sich in der ferne eine auszeit genommen haben- und es wirkt fast immer positiv!

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17. Februar 2005 um 21:05
In Antwort auf agafya_11866265

Liebe lasassa,
was du in den letzten monaten durchgemacht hast, ist sagenhaft viel! ich bewundere dich, dass du immer noch einen klaren kopf bewahrt und dich selbst nicht aufgegeben hast, sondern nach einem ausweg suchst!
andere wären daran sicherlich schon zugrunde gegangen und hätten sich planlos gehen lassen!
alle achtung!

ich würde dir gerne beistehen können!
du suchst eine art auffanglager?
warum gehst du nicht ins ausland? in irgendein sonniges(!)land, in dem du dir einen 4-wöchigen aufenthalt in einer möblierten wohnung leisten kannst? vielleicht findest du auch einen vorübergehenden job.
auf diese weise bekommst du abstand und erlebst neue dinge!
mag sein, dass dir diese idee zu gewagt vorkommt, aber denk mal intesniv drüber nach!
ich kenne mittlerweile mehrere, die sich in der ferne eine auszeit genommen haben- und es wirkt fast immer positiv!

Danke für den Vorschlag, lemonice73
mittlerweile ist mein Kopf ein einziges Karusell. Kann Gedanken nicht mehr abstellen und weiß schon nicht mehr wieviele Stunden ich um einzelne Sätze oder Szenen kreise. Der Abstand zu meinem Mann wird von meiner Seite aus immer größer. Je länger ich über alles nachdenke, um so unfassbarer wird es für mich, was er nach 30 Jahren Ehe getan hat. Er will die Ehe retten und versucht Wege zu finden. Ich sehe keinen Weg. Der Betrug wird uns immer belasten. Ich habe das Gefühl, dass es nur ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Aus ist. Er geht zu einem Psychotherapeuten um mit der Situation fertig zu werden. Er sagt, er tut es für mich, obwohl er Angst davor hat. Er war
vor vier Jahren schon mal eine Zeit lang in Therapie, nach einer langen Phase des extremen Verdrängens. Damals hatte er sich von der Familie einfach nur abgekapselt. Diesmal hat er
zusammen mit diesem Verhältnis verdrängt. Ich sehe, dass sein Fremdgehen ein Teil seines Verdrängungsmechanismus ist, aber es hilft mir trotzdem nicht. In seiner Familie wurde niemals über irgendetwas gesprochen, was nicht völlig oberflächlich ist. Keiner konnte ein Problem ansprechen, ohne das man ihm sofort das Wort verboten hat. Als Teenager hat er seine Schwester mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden. Nicht mal darüber haben seine Eltern anschließend mit ihm gesprochen. Er ist aufgewachsen ohne jemals erlebt zu haben, das man Probleme bespricht und bewältigt. Er sagt, es ist wie ein Schalter, wenn die Probleme zu groß werden.
Er hat das Sterben seiner Schwester nicht ertragen und war in dieser Phase von mir allein gelassen und dann lief ihm diese andere Frau über den Weg. Sie hat ihre Welt über ihn gestülpt und er ist dankbar abgetaucht. Als sie mehr wollte, konnte er nicht mehr zurück, sagt er. Vom Verstand her begreife ich das alles. Aber mein Gefühl sagt ich solle gehen. Nicht weil ich ihn nicht mehr will, sondern weil ich ihn so nicht mehr will. Ist er durch diesen Schock endgültig
vom Verdrängungsmechanismus los? Ich kann ihn doch nicht in Zukunft ständig misstrauisch beobachten. Du siehst, ich weiß nicht mehr wo vorne und hinten ist. Vielleicht fällt noch jemandem weiß ein oder sie hat ähnliches erlebt. Was sagt eigentlich Mann dazu?
Hoffe auf weitere Beiträge
lasassa

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18. Februar 2005 um 11:28
In Antwort auf zanina_12038159

Danke für den Vorschlag, lemonice73
mittlerweile ist mein Kopf ein einziges Karusell. Kann Gedanken nicht mehr abstellen und weiß schon nicht mehr wieviele Stunden ich um einzelne Sätze oder Szenen kreise. Der Abstand zu meinem Mann wird von meiner Seite aus immer größer. Je länger ich über alles nachdenke, um so unfassbarer wird es für mich, was er nach 30 Jahren Ehe getan hat. Er will die Ehe retten und versucht Wege zu finden. Ich sehe keinen Weg. Der Betrug wird uns immer belasten. Ich habe das Gefühl, dass es nur ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Aus ist. Er geht zu einem Psychotherapeuten um mit der Situation fertig zu werden. Er sagt, er tut es für mich, obwohl er Angst davor hat. Er war
vor vier Jahren schon mal eine Zeit lang in Therapie, nach einer langen Phase des extremen Verdrängens. Damals hatte er sich von der Familie einfach nur abgekapselt. Diesmal hat er
zusammen mit diesem Verhältnis verdrängt. Ich sehe, dass sein Fremdgehen ein Teil seines Verdrängungsmechanismus ist, aber es hilft mir trotzdem nicht. In seiner Familie wurde niemals über irgendetwas gesprochen, was nicht völlig oberflächlich ist. Keiner konnte ein Problem ansprechen, ohne das man ihm sofort das Wort verboten hat. Als Teenager hat er seine Schwester mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden. Nicht mal darüber haben seine Eltern anschließend mit ihm gesprochen. Er ist aufgewachsen ohne jemals erlebt zu haben, das man Probleme bespricht und bewältigt. Er sagt, es ist wie ein Schalter, wenn die Probleme zu groß werden.
Er hat das Sterben seiner Schwester nicht ertragen und war in dieser Phase von mir allein gelassen und dann lief ihm diese andere Frau über den Weg. Sie hat ihre Welt über ihn gestülpt und er ist dankbar abgetaucht. Als sie mehr wollte, konnte er nicht mehr zurück, sagt er. Vom Verstand her begreife ich das alles. Aber mein Gefühl sagt ich solle gehen. Nicht weil ich ihn nicht mehr will, sondern weil ich ihn so nicht mehr will. Ist er durch diesen Schock endgültig
vom Verdrängungsmechanismus los? Ich kann ihn doch nicht in Zukunft ständig misstrauisch beobachten. Du siehst, ich weiß nicht mehr wo vorne und hinten ist. Vielleicht fällt noch jemandem weiß ein oder sie hat ähnliches erlebt. Was sagt eigentlich Mann dazu?
Hoffe auf weitere Beiträge
lasassa

Also,
wenn ich das so lese geht mir eins durch den kopf: irgendwie kannst du nicht mit ihm, aber irgendwie willst du ihm auch helfen!?

ich denke, erstmal musst du dir selbst helfen. du musst dich wieder neu kennenlernen und schauen, was du wirklich willst.

die idee mit dem ausland finde ich super. finde erstmal wieder zu dir selbst, dann kannst du auch wieder zu deinem mann finden.

und vor allen dingen: trauer. lass alles heraus, sonst kannst du nie damit fertig werden.


Marleen

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18. Februar 2005 um 17:52

...
Hallo Lasassa,
wie wärs denn mit einem AUfenthalt im Kloster? Da gibts tolle Programme, angefangen bei der "Selbstfindugn" bis hin zu "Wellness" etc. VIelleicht könnte dir ja sowas helfen? Es ist auch nicht so teuer, wie ein richtiger Urlaub.
Grüße, FD

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