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Hochzeit bei den Zeugen Jehovas

4. Juni 2009 um 23:09

Hallo,

ein Mädchen aus unserer Nachbarschaft ist Zeugin Jehovas.
Wie ihre Eltern, ihr Freund, ihre Freunde, Bekannte....der Kreis schließt sich.
Sie ist im April 18 Jahre alt geworden.

Nun habe ich mitbekommen, dass sie demnächst heiraten wird.
Ihren Freund, der dem äußeren Anschein nach zu gehen, geschätzte 10 Jahre oder älter ist.

Ihre zwei älteren Schwestern sind auch schon längst verheiratet (20 und 23 Jahre), teils schon mit Kindern.

Ich kenne einige Vorschriften bei den Zeugen, wie keine Annahme von Fremdblut, Frauen erlernen einen Handwerksberuf, Feiern keine Geburtstage....

....und müssen früh heiraten?

Also mich würde interessieren: Wird so früh geheiratet weil Sex vor der Ehe und allgemein das Zusammenleben von Unverheiratetn nicht gerne gesehen wird?

Ich habe mal gelesen, dass es unter "Hurerei" fällt, wie in vielen Religionen Sex vor der Ehe nicht erlaubt ist.

Für mich, das ist jetzt aber meine Meinung, gibt es nämlich keinen Grund so dermaßen früh zu heiraten.
(Rosarotebrille, keine Partnererfahrung (oh ja, Menschen können sich ändern,v.a. wenn man erstmal zusammen wohnt).

Und wie ist das mit der Scheidung?
Dürfen Zeugen sich scheiden lassen ( sie tuns ja) oder ist das in der Gemeinschaft ein großes aufsehen erregendes Ereignis und eigentlich nicht gebilligt?

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6. Juni 2009 um 21:09

Hochzeit
Hallo,

ich melde mich mal zu Wort. Ich bin aktuell noch ein ZJ, aber seit 3 Jahren "inaktiv" - in Zeugensprache heisst das: untätig. Ich werde noch in diesem Jahr meinen Austritt öffentlich machen, sobald ich mit meiner Arbeit an meiner Internetseite fertig bin, wo ich über so etwas informieren werde.

Zu deiner Frage:
Es gibt keinerlei Gebot oder ähnliches, was den Zeitpunkt oder das Alter vorgibt um zu heiraten. Geht es nach der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), dann würde ein "perfektes" Leben so aussehen bei einer Frau:

Bis zum 19. Lebensjahr:
Schule beenden mit einem guten Realschulabschluss,
Ausbildung beenden in einem einfachen Job, bei dem man später halbtags leicht einen Job bekommt.

Bis zum 24. Lebensjahr:
Pionierdienst leisten (70 Std. pro Monat predigen gehen)
Dabei maximal halbtags arbeiten gehen, besser Teilzeit

Ab dem 25. Lebensjahr
Sich einen "reifen" und "vorbildlichen" Ehemann suchen, der in der Orts-Versammlung einen guten Ruf hat, einen festen Arbeitsplatz hat und diverse Aufgaben oder eine Stellung einnimmt in der Orts-Gemeinde
Nach mindestens Einem Jahr im Status "verlobt" dann heiraten, Kinder bekommen und aufhören zu arbeiten. Den Haushalt übernehmen und weiterhin Pionierdienst leisten.


Bei einem Mann:

Bis zum 19. Lebensjahr:
Schule beenden mit einem guten Realschulabschluss,
Ausbildung beenden in einem einfachen Job, bei dem man aber genug verdient um eine Familie ernähren zu können, ohne dafür mehr als 40 Std./Woche arbeiten zu müssen.

Wehrdienst ist nicht erlaubt, Zivildienst schon, aber lieber gesehen wird es wenn man ausgemustert wird. Dazu gibt es diverse Methoden um dies zu erreichen, indem man vorgibt auf geistlicher Ebene zu arbeiten was einem sozialem Dienst gleichzustellen sei.

Bis zum 21. Lebensjahr:
Entweder 1-3 Jahre im Pionierdienst stehen, in ein Gebiet ziehen in dem "Hilfe beim Predigtwerk" benötigt wird, oder 1 Jahr im "Bethel" (der Zentrale der Zeugen) "dienen" (also arbeiten ohne Lohn) oder in der Ortsversammlung ein Dienstamt erreichen.

Anschließend kann man sich wieder seiner erlerntern Arbeit zuwenden, wobei man aber sehr viel Zeit für die Gemeinschaft widmen sollte und sein Amt oder den Pionierdienst weiter führen sollte. Wenn man dann noch weniger als die normalen 40 Std arbeitet und dafür mehr Predigen geht, umso besser.

Dann kann man sich gern eine Frau suchen, damit diese ihm durch die Erledigung des Haushalts genug Zeit verschafft die er mit dem Predigen und der Arbeit an der Versammlung verbringen kann.


Das wird nirgends offiziell so beschrieben, aber wenn man zwischen den Zeilen liest und sich die "Erfahrungen" oder "Demonstrationen" in den ZUsammenkünften oder Kongresen ansieht, dann kommt man ungefähr auf dieses Bild.
Die Realität sieht aber meist anders aus, auch wenn es ein paar gibt die nach diesem Muster leben.
Ich kenne 4 Versammlungen in 3 unterschiedlichen Städten ganz gut, und noch ein paar etwas weniger. Ich würde das in 3 Gruppen aufteilen, aus eigener Erfahrung und persönlicher Bekanntschaft zu diesen Paaren:

1. Die Ungeduldigen
Das sind die, die endlich Sex haben wollen. Sie halten sich an das Verbot, Sex vor der Ehe zu haben. Einige von ihnen beschäftigen sich bis dahin mit Selbstbefriedigung, andere (die Hardliner oder "Gottesfürchtigen" beten ständig darum einen Partner zu finden, der ebenso scharf auf Sex ist.
Bei diesen Personen geht es meist sehr schnell mit der Hochzeit, was auch oft im Alter von 16 bis 22 dann der Fall ist. Ich kenne u.a. 2 Paare bei denen die Frau, bzw. das Mädchen, unter 18 war und mit Einverständnis der Eltern heiraten durfte.
Diese Ehen halten nicht sehr lang i.d.R. Da beide oft unterschiedliche oder überhöhte Erwartungen haben, sind sie schnell vom Sexleben enttäuscht, da man sich ja vorher nicht über Sex unterhalten darf.
Allerdings stehen sie vor dem Problem, dass sie sich nicht scheiden lassen dürfen, solange keiner von beiden "fremdgeht". Dann dürfte der "betrogene" sich scheiden lassen und wieder heiraten, der "Fremdgeher" würde von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden und dürfte keinen Kontakt mehr zu anderen Zeugen, auch nicht zu Familienmitgliedern haben.
Meist leben diese Paare dann in einer Art Zweckgemeinschaft und akzeptieren ihr Schicksal und ihre Dummheit. Oft kommen dann Kinder nach, damit man ein wenig Abwechslung bekommt und einen Grund hat mal Sex zu haben und nach Außen hin die glückliche Familie raushängen lassen kann.

2. Die Mitläufer
Das sind Personen - Alter egal - die sich schon von Jugend an kennen und gut befreundet sind, und bei denen es einfach so von Freundschaft zu Partnerschaft und Ehe übergeht, weil man ja nicht lange suchen will und sich so mehr auf das Predigen etc. konzentrieren kann.
Außerdem ist dies meist der Fall wenn in der letzten Zeit mehrere Gleichaltrige geheiratet haben und sich die "Clique" aufzulösen scheint. Dann will man mithalten und heiratet eben auch.
Ob Liebe im Spiel ist, kann manchmal vorkommen, aber meist sind es nur Zweck-Ehen, damit die Frau versorgt ist und der Mann seine Stellung ausbauen kann. Liebe wird hier meist mit Loyalität durcheinander gebracht. Solche Ehen halten idR bis zum Tod, solange keiner der beiden seine Rosarote Brille absetzt und durch die Monotonie irgendwann ausbricht, was dann zum größten Teil mit einem Gemeinschaftsentzug endet.

3. Die Hardliner
Diese Personen heiraten recht spät (in Zeugen-Zeit gemessen), weil sie sich so sehr auf das Predigen konzentriert haben, dass sie ganz vergessen haben, dass es auch tiefere Verbindungen zwischen Menschen geben kann außer den "freundschaftlichen Verhältnissen zu Glaubensbrüdern" - die zum Großteil sehr oberflächlich sind. Diese Leute heiraten häufig aus Verzweiflung um nicht irgendwann ganz alleine zu sein.



Zum Thema Scheidung noch:
Scheidungen werden mittlerweile zwar geduldet, aber sind nicht gut angesehen.
Außerdem ist es beiden dann nicht mehr erlaubt zu heiraten, solange der andere nicht "Hurerei" begangen hat (was zum Ausschluss führt). Somit sind beide, wenn sie denn in der Gemeinschaft bleiben wollen, zum ledig sein verurteilt, da nur der Tod und "Hurerei" als Grund anerkannt wird, wobei sie sich auf die Bibel stützen und ein paar Texte verknüpfen und falsch auslegen, so wie es ihnen gerade passt.


Ich hoffe ich konnte helfen. Bin für weitere Fragen gern zu haben, auch gern über PM oder Email.

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6. Juni 2009 um 21:13

Frage
Wass meinst du übrigens mit dieser Aussage:

"Frauen erlernen einen Handwerksberuf"

Ich kenne eigentlich keine Frau mehr unter den Zeugen, die heute noch einen Handwerksberuf erlernt oder ausübt, bis auf ein paar Ausnahmen. Ich kenne aber viele im Dienstleistungsgewerbe (z.B. Krankenhauspersonal, Frisösen), wobei die "jüngeren" meist irgendwas in Richtung Bürokauffrau, Verkäuferin etc. lernen.

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20. Juli 2009 um 17:13
In Antwort auf garwain

Frage
Wass meinst du übrigens mit dieser Aussage:

"Frauen erlernen einen Handwerksberuf"

Ich kenne eigentlich keine Frau mehr unter den Zeugen, die heute noch einen Handwerksberuf erlernt oder ausübt, bis auf ein paar Ausnahmen. Ich kenne aber viele im Dienstleistungsgewerbe (z.B. Krankenhauspersonal, Frisösen), wobei die "jüngeren" meist irgendwas in Richtung Bürokauffrau, Verkäuferin etc. lernen.

Hi
Hallo Garwain

ich glaube du kennst meine geschichte , naja ich hätte nochmal eine frage ; ist es wahr dass die Frau eines ZJ verpflichtet ist er älteste zu informieren wenn er fremdgeht?
und wenn diese fremgeher ( auch wenn er es bereut ) trotzdem bei seine frau bleibt , wird er ausgeschlossen? und wenn er ausgeschlossen wird , wie lange denn?
wie schlimm ist es für ein mensch ausgeschlossen zu werden?
ich mache mich sorgen um ihn auch wenn ich nicht sollte , aber doch will ich nicht dass er unglücklich ist.
LG
Saba

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29. Januar 2011 um 16:48
In Antwort auf saba1975

Hi
Hallo Garwain

ich glaube du kennst meine geschichte , naja ich hätte nochmal eine frage ; ist es wahr dass die Frau eines ZJ verpflichtet ist er älteste zu informieren wenn er fremdgeht?
und wenn diese fremgeher ( auch wenn er es bereut ) trotzdem bei seine frau bleibt , wird er ausgeschlossen? und wenn er ausgeschlossen wird , wie lange denn?
wie schlimm ist es für ein mensch ausgeschlossen zu werden?
ich mache mich sorgen um ihn auch wenn ich nicht sollte , aber doch will ich nicht dass er unglücklich ist.
LG
Saba

AW
Hallo Saba

Ich bin Zeuge Jehovas und mit dieser Körperschaft vertraut. Sollte ein getaufter Bruder oder eine getaufte Schwester eine schwere Sünde begehen, ist er/sie verpflichtet seine Sünden zu bekennen und den Ältesten der örtlichen Versammlung zu gestehen, damit Jehova ihm/ihr vergibt. Daran zeigt sich auch, dass er/sie ihm vollständig ergeben ist. Wenn er/sie bereut, wird ihm/ihr vergeben, wenn er/sie dennoch keinen Scham zeigt, wird er/sie ausgeschlossen. Dafür gibt es keine bestimmte Zeitspanne. Wenn die Ältesten merken, dass er/sie regelmäßig wieder die Zusammenkünfte besucht und sich an dir Gesetze der Bibel hält, wird er wieder aufgenommen.

LG
Alex

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29. Januar 2011 um 16:59

AW
Ich muss dir bei einigen Punkten widersprechen:
....und müssen früh heiraten?
fail - nicht wahr: Ich kenne welche, die sind unverheiratet mit 26.
...gelesen, dass es unter "Hurerei" fällt, wie in vielen Religionen Sex vor der Ehe nicht erlaubt ist.
auch nich wahr: Wenn jemand Sex vor der Ehe hat, ist es wohl eher Hurerei, als wenn man sich erst mal kennenlernt, dann heiratet, und ehelichen Geschlechtsverkehr hat.
...zum Thema Scheidung:
Ein Zeuge Jehovas darf sich nur scheiden lassen, wenn er Ehebruch begeht.
LG
Alex

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